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Lokalaugenschein Lokalaugenschein: Österreich - Deutschland in Wien Lokalaugenschein: Österreich - Deutschland in Wien
08.02.2008 von fuellstoff


Am Mittwoch fand bekanntlich das freundschaftliche Länderspiel Österreich gegen Deutschland im Wiener Ernst Happel Stadion statt. Es war zwar nur ein Freundschaftsspiel, ein Spiel gegen den Lieblingsnachbarn ist aber natürlich immer spannend. Dass es sich mit Deutschland außerdem um einen späteren Gegner bei der Heim-Euro handelt brachte zusätzliche Brisanz in die Partie. Der RSW war mit 8 Mann in Wien vertreten, 4 davon schlugen sich schon Stunden vor dem Match in der Stadt mit einem Schwert herum....


Die Stimmung im Stadion war von Anfang an ausgezeichnet. Trotz der sehr durchwachsenen Leistungen unseres Nationalteams im vergangenen Jahr hatte man irgendwie das Gefühl, dass der Großteil der Zuseher eine positive Grundeinstellung mit brachte (und das lag nicht am eher peinlichen Versuch die Besucher zum Hicke-Hacke-Song mitsingen zu animieren). Nachdem bereits zu Beginn die Welle einige Runden lang durchs Stadion schwappte, mussten eigentlich „nur“ mehr die Spieler ihren Teil zu einem perfekten Fußballabend beitragen.


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Und das Team legte gegen den WM-Dritten und fünften der Weltrangliste gleich ordentlich los. Die überraschende Aufstellung der Österreicher, die diesmal in einer 3-5-2 Formation auf Spielfeld kamen, funktionierte gut. Vor Anpfiff waren sich viele nicht sicher, ob dieses Experiment eher als Geniestreich oder doch als Wahnsinnsaktion anzusehen ist. Österreich kombinierte gut, ging ein hohes Tempo und ließ die Deutschen durch aggressives Zweikampfverhalten in der ersten Halbzeit überhaupt nicht ins Spiel kommen. Auch die Dreier-Abwehr stand erstaunlich sicher. So stand zur Pause einigen hochkarätigen Chancen der Heimmannschaft (inkl. Lattenkopfball von Harnik) lediglich ein halbgefährlicher Kopfball der Deutschen gegenüber. Kurz: Das Team war im Vergleich zu den letzten vielen Spielen einfach nicht wiederzuerkennen. Ein solch aggressives, selbstbewusstes Auftreten hat man vom Nationalteam schon lange nicht gesehen. Bei dieser Anzahl an Chancen hätte es mindestens 1:0 für Österreich stehen müssen, zumal der deutsche Goalie überhaupt nicht sicher wirkte. Trotz der Schnitzer von Lehmann blieb es also beim, nach diesem Spielverlauf, etwas enttäuschenden 0:0 für die Österreicher, Dominik war ob der schlechten Leistung der Deutschen nicht besonders erfreut, der Verräter.
 

In den ersten 10 Minuten der zweiten Halbzeit beinahe dasselbe Bild, und doch gingen die Deutschen in Führung. Hitzelsbergers Sonntagsschuss (durch 2 Verteidiger genau neben der Stange ins Tor) stellte den Spielverlauf total auf den Kopf. Wenige Augenblicke später traf Linz nach abermaligen Patzer von Lehmann vom 5er nur ins Außennetz. Da blieb uns der Torjubel nicht im Hals stecken. Von der Tribüne aus sah es wirklich so aus, als ob der Ball den Weg ins Tor gefunden hätte. Als ca. 10 Minuten nach dem 0:1 Klose auf 0:2 erhöhte und Gomez in der 80sten gar noch das 0:3 erzielte war’s entgültig kaum zu glauben. Eiskalte Deutsche machten aus 2 ½ Chancen 3 Tore. Hart. Bitter.
Auf den Tribünen wurde aber die tolle Leistung der Österreicher, so komisch das bei einer 0:3 Niederlage klingen mag, honoriert. Keine Pfiffe, sogar Abtrittsapplaus gab es zu hören. Die Mannschaft zeigte über weite Strecken eine tadellose Partie und dürfte in so manchem Besucher die Europhorie geweckt haben. Mit solchen Leistungen und ein bisschen mehr Glück im Abschluss kann auch bei der Euro was gehen. Hoffentlich kann beim nächsten Spiel (gegen die Niederlande) ein ähnlich spielendes österreichisches Team bewundert werden.
 

Ein ein fast perfekter Fussball Abend. Ein tolles Spiel in einem ausverkauften Haus (durch die Zusatztribünen kommt es schon besser an ein richtiges Fußballstadion heran), An- und Abfahrt waren problemlos und entgegen den Medienberichten hatten wir überhaupt keine Wartezeiten beim Drehkreuz (man sollte halt nicht bis zum letzten Moment warten). Einzig das Ergebnis (und das alkoholfreie Bier im Stadion) trübte die Stimmung ein wenig, trotz katastrophalen nackten Zahlen konnte man aber trotzdem nicht ganz unzufrieden sein. Direkt im Anschluss an das Match trat die Hälfte der RSWler die Heimreise an, der Rest erkundete unter der Leitung unseres Wahl-Wieners das Nachtleben der Hauptstadt. Davon und natürlich auch weitere Fotos aus dem Stadion sind in der Fotogalerie zu finden.


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