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Lokalaugenschein Lokalaugenschein: FC Barcelona - Real Betis (Camp Nou) Lokalaugenschein: FC Barcelona - Real Betis (Camp Nou)
13.05.2007 von fredi


FC Barcelona – Real Betis
Camp Nou, Sonntag 13 Mai 19 Uhr

Schlussendlich sollte es eben gegen Real Betis gehen, um den Fussball Club Barcelona im legendären, drittgrössten Stadion der Welt, dem Camp Nou, welches ein unglaubliches Fassungsvermögen von etwa hundert tausend Besuchern besitzt, zu besuchen.

Mit der Absicht uns Eintrittskarten für das Spiel zu besorgen, waren wir ja bereits am Vortag zum Bankomaten gegagen, hier kann man sich diese nämlich direkt am Schalter ziehen, doch wie sich dann herausstellten sollte, waren preislich gesehen, Karten nur noch für 60 Euro aufwärts verfügbar. Was uns natürlich dazu veranlasste, Geduld zu bewahren, und auf Restkarten zu spekulieren, die noch kurz vor dem Spiel direkt vor dem Stadion verkauft werden sollten.


Eine Stunde vor Spielbeginn gings dann am Sonntag mit der Metro ab zum Stadion, wo sich bereits eine unglaubliche Menschenmenge eingefunden hatte. Für uns lief natürlich die Zeit, waren wir doch auf der Suche nach einem der bekannten Restkartenverkäufer, die noch Restkarten besassen. Und endlich, nachdem das Spiel bereits begonnen hatte, und ein Raunen nach dem anderen sich aus dem Stadion erhob, und die Menschen, die bisher noch recht unbekümmert am Stadioneingang standen, schlussendlich auch dazu bewegte sich eiligst auf die Tribüne zu bewegen, entdeckten wir einen dieser Geschäftsmänner, der uns Karten für 50 Euro anbot. No, gracias, so hatten wir uns das nicht vorgestellt.

Und dann passierte etwas, ein kleines Beben verbunden mit einem Donnergroll des Jubels, der uns zu verstehen gab, dass der FC Barcelona nun in Führung ging, durch eine Elfmeter von Ronaldinho, wie ich am nächsten Tag dann in der Zeitung erfahren habe. Wir hatten uns eigentlich ja bereits damit abgefunden, die erste Halbzeit abzuwarten, um später nochmals einen Versuch zu unternehmen, als wir dann einfach mal an der Kasse fragten und uns Karten für 30 Euro kauften.

Arriba de todo also über allen befänden sich unsere Plätze, was soviel heisst, dass eine Sicht auf die Stadt Barcelona inkludiert sei. Unser Zugangstor war 84-85, wobei es über hundert von denen gibt. Dort angekommen mussten wir nur noch unzählige Treppen erklimmen, also nichts für Liftfahrer, um mit einer viertel Stunde Verspätung erstmals den Blick auf das Spielfeld richten zu können. Wirklich beeindruckend, diese Kulisse!


Was mich dann doch etwas überrascht hatte war der Umstand, dass man die einzelnen Spieler auch aus dieser Distanz relativ leicht, Vorraussetzung ist eben, dass man sie überhaupt kennt, zuordnen konnte. Einen Ronaldinho, Messi, Etó, Deco oder Puyol erkennt man natürlich auch aufgrund ihrer markanten Spielweisen.


In der ersten Halbzeit zeigte uns der FC Barcelona sehr schöne Kombinationen und viele Tormöglichkeiten, die aber leider nicht genutzt werden konnten. Die Zuschauer waren zufrieden und die Stimmung war entsprechend gut. Ein besonderer Leckerbissen war ein versuchter Rückwertssaltotorschuss von Etó der nur noch knapp vom Tormann abgewährt werden konnte.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wurde Barcelona leichtsinniger und überlies teilweise der Mannschaft aus Sevilla das Spiel, was dann relativ schnell dazu führte, dass diese sich sehr schöne Möglichkeiten herausspielten. Nach der Auswächslung von Ronaldinho, war der Faden im Spiel von Barcelona dann entgültig verloren und Betis drängte auf den Ausgleich ohne jedoch wirklich zwingende Chancen zu haben. Kurz vor Schluss in der 89en Minute gelang ihnen dann aber doch noch der überraschende Ausgleich aus einer harmlosen Situation heraus, was nicht nur bitter für die Mannschaft war sondern auch ziemlich böse Worte von den Rängen und Tränen in Anbetracht der möglichen verlorenen Punkte hinsichtlich der knappen Meisterschaft zur Folge hatte. Wie aufgeweckt setzte Barcelona nun alles daran die wilde Meute zu beruhigen und den Sieg doch noch heim zu holen, doch die Zeit reichte nicht mehr aus, und so musste sich der FC Barcelona geschlagen geben und sich unter weissen Tüchern verabschieden. (Wenn man mit der Leistung der Mannschaft nicht zufrieden ist, schwingt man hier zu Lande ein weisses Tuch oder eben eine Zeitung)

So wie die Katalanen an den erfolgreichen Tagen mit Schlachtgesängen und Leidenschaft hinter ihrer Mannschaft stehen, wissen sie auch wie sie mit ihrer Mannschaft an der weniger erfolgreichen Tagen umzugehen haben. Auf jedem Fall hat sich das Stadion dann zu meinem Erstaunen ziemlich schnell geleert und sich die ersten überlangen Schlangen an den Eingängen zur Metro gebildet ...




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